2018-11-18

Auf zum letzten Applaus - Zum Tode von Frank Arlig

Pressemitteilung zum Tode von Karl Rudolf Pigge, alias Frank Arlig


  • 15. September 1932 (Pirmasens) bis 14. November 2018 (Bad Nauheim)

  • Redakteur und Chefredakteur von "akt - Aktuelles Theater", Frankfurter Kulturzeitung (Frankfurter Bund für Volksbildung)

  • Schriftsteller, künstlerischer Leiter "Tsamas-Verlag", Herausgeber des Kulturmagazins "notabene", Kultur-Redakteur für den Schwarzwälder Boten und die Badische Zeitung, stellvertretender Chefredakteur des "SchuhMarkt", Galerist, Maler und Conferencier

  • Urnenbeisetzung mit bunter Erinnerungsfeier und letztem Applaus am Samstag, 1. Dezember 2018, 13 Uhr, Waldfriedhof Bad Homburg


Schmitten/Taunus, 18. November 2018. Am Mittwoch, dem 14. November 2018, verstarb der Autor, Journalist, Maler, Gewerkschafter, Galerist, Kunstsammler und Friedensaktivist Karl Rudolf Pigge nach kurzer schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie mit 86 Jahren in Bad Nauheim.

In den 1960er Jahren war Pigge als Kultur-Redakteur in seiner ersten Wahlheimat Villingen für den Schwarzwälder Boten und die Badische Zeitung aktiv. Parallel hierzu war er als Schuhvertreter hochwertiger Damenschuhe ("Elka") in Süddeutschland tätig. Der einer Schuhfabrik-Dynastie abstammende Pigge machte eine kaufmännische Lehre bei der Schuhfabrik Ludwig Kopp AG in Pirmasens und besuchte Schauspielschulen in Hannover und Hamburg und lernte u.a. bei dem Wirtschaftsredakteur Wolfgang Semmler in Pirmasens. In Villingen etablierte er das "Villinger Kunstkabinett" und richtete Vernissagen mit bildenden Künstlern (u.a. Esteban Fekete, Horst-Egon Kalinowski, Felix Schlenker) aus.

Pigge verlegte in den 1960er und 1970er Jahren als künstlerischer Leiter im Tsamas-Verlag Bücher verschiedener, zum Teil sehr junger Autoren (Dieter Kühn, Gabriele Wohmann, Nikolai Nor-Mesek, Peter M. Michels, Gerd E. Hoffmann, Walter Aue), die sich u.a. kritisch mit Themen wie Überwachungssysteme oder Datenschutz beschäftigten oder die amerikanische Anti-Kriegs-Bewegung dokumentierten. Wichtige Anthologien des Tsamas-Verlags waren "typos 1" und "typos 2", herausgegeben von Walter Aue.

1970 zog Pigge mit seiner Frau und damals drei Kindern nach Bad Homburg, führte dort eine kleine Galerie und wurde stellvertretender Chefredakteur des damals in Frankfurt erscheinenden "SchuhMarkt". Unter seinem Künstlernamen "Frank Arlig" war er Vorsitzender des hessischen Schriftstellerverbandes und wirkte aktiv in der Friedensbewegung mit. Als Frank Arlig tourte er mit einer ersten Multimedia-Show mit Klängen, Dias und Texten unter dem Motto "Der Mann, der aus dem Dunkeln liest…" durch Hessen.

1983 zog Pigge von Bad Homburg nach Schmitten im Taunus in ein ehemaliges Landhotel. Die späten 1980er Jahre waren geprägt von seiner Arbeit als Frank Arlig für "akt - Aktuelles Theater". Die monatlich erschienene Zeitung wurde vom Frankfurter Bund für Volksbildung herausgegeben. Pigge begann als Redakteur für das monatliche Interview. Von einer 8-seitigen Programmzeitung entwickelte Pigge "akt" zu ihrer 16-seitigen finalen Form. Im Zuge der Sparpolitik im Bereich der Kultur in Frankfurt wurde die bis dahin im Druckhaus der Frankfurter Rundschau hergestellte "akt" schließlich im Jahr 1994 eingestellt.

Pigge veröffentlichte in den darauffolgenden Jahren in verschiedenen Anthologien, entwickelte Buch- und Theaterkonzepte und schrieb an Romanen zur Zeitgeschichte und über das Älterwerden. So behandelt sein "Eingegrünt" schon vor den TV-Experimenten der 2000er Jahre das Leben von wahllos zusammengewürfelten Menschen mit ungleichem sozialen Hintergrund. Darin verarbeitete Arlig auch die Folgen des zunehmenden Klimawandels, die Herausforderungen des Zusammenlebens von Alt und Jung und der andersartigen Sozialisation der "Wessis" und "Ossis" kurz nach der Wiedervereinigung. Seine Interpretation der Folgen des Zweiten Weltkriegs für das Zusammenleben der Überlebenden führt zu seinem letzten, bislang unveröffentlichten, Roman "Durch den Wolf / Komm: Kuscheln".

Pigge engagierte sich im Kreise der Schwulen- und Lesbeninitative in Frankfurt und bereicherte das Café Karussell, dem "Treffpunkt für Männer liebende Männer der Generation 60plus" mit Lesungen und Moderationen und veröffentlichte in den schwulen Stadtführern "Berlin von hinten" und "Frankfurt von hinten".

Pigge war bis zu seinem Tod 62 Jahre mit der Kauffrau und Journalistin Ursula Pigge verheiratet, hatte vier Kinder, die heute in Hessen und Niedersachsen leben. Zu seiner Großfamilie gehören außerdem zehn Enkel, zwei Urenkel und zehn Patchworkenkel.

Die Urnenbeisetzung mit bunter Erinnerungsfeier und letztem Applaus findet am Samstag, dem 1. Dezember 2018, auf dem Waldfriedhof in seiner zweiten Wahlheimat Bad Homburg vor der Höhe um 13 Uhr statt.



2013-08-10

Fremdes zum Vereinnahmen

Reisen zur inneren Belustigung
Bildungsreisen von bleibendem Wert
Unvergessliche Reise

Damals als der Kaiser gerufen hatte
Als der Führer den totalen Krieg
Reisen ohne Wiederkehr
gar zur inneren Belustigung
eingeschlossen jene Zeiten
die der Bildung dienen sollten
Unvergesslich all die Opfer
auf den unvergesslich grossen Reisen.

Man muss auf jeder Reise bereit sein
nichts gibt es umsonst
und immer ans Vaterland denken
an die Fahnen vor den Hotels
du kannst die Nationalhymne auswendig?

Budenzauber im Norden und Körperertüchtigung
Warum nur wird heutzutage
nicht mehr zu den Waffen gerufen
es war doch ehedem so bequem
kostenlos zu reisen
und heute ist sogar der Fahrschein
zur Demo am Automaten zu lösen.

Man glaubt es nicht
Pauschalreisen mit All inclusive
gab es damals auch, aber gratis
man zahlte mit Kopf oder Bein
manche zahlten mit Schwanz und Hoden
unvorstellbar für die Nachgeborenen.

Lieber bleibe ich verwurzelt daheim
besser ich lasse mich nicht überreden
ich will mich nicht anstecken
ich träume davon Kaiser und Führer
ich will sie am liebsten leugnen
haben die beiden je gelebt?

2013-08-10

2013-08-04

Viel Glück

Kinder machen
immer Spass.
Kinder kriegen
genau so viel?

Ich halte mich zurück,
ich halte nichts davon
Kinder machen
zwischen Angel und Tür.
Nein, das bloss nicht,
ich halte mich da zurück,
reisse mich am Riemen.
Mit mir nicht,
bin noch zu jung,
nicht ausgereift.

Viel Glück im späteren Leben,
in der Praxis, im Labor,
auf der Bühne, im Orchester.
Du schaffst es, nimm dir die Kraft.
Lass dich nicht anmachen, es könnte dich
schwängern, der Mutterschaft in die Arme führen.
Stell dich nie unter die Laterne
du bist keine Braut auf Abruf!

2013-08-04

Umgedreht wird ein Vers daraus

Deine Arme umtanzen mich
fast vertraue ich dir
fühle mich in deiner Sehnsucht wohl
fast geborgen; doch du willst, was alle wollen.
Ich lasse dich los, löse die Umklammerung.

Deinen Orgasmus lese ich als Abschiedsbrief
er ist wieder einmal zu kurz geraten.
Wir passen weder auf noch ineinander.
Unsere Zeit ist Vergangenheit, ist
gleich einer Aufziehuhr abgelaufen.

Pass auf: Der Kanaldeckel liegt nebenan.
Nein, weder mit dir noch allein,
ich will noch nicht hinabsteigen.
Erstmals werde ich mich
nicht in dir verlieren.

2013-08-04

Bedrohlich

Bedrohlich dieser Unterschied
Zwischen Brot und Kuchen
zwischen schwarz und weiss
zwischen arm und reich
also bedrohen wir die Bedrohung.

Auf, auf Kameraden
aufs Pferd, aufs Pferd!

2008-05-23

Früher

Früher. da war das
mit und zwischen uns
ach, war das schön.

Ich hatte so recht,
das war fast untragbar
diese Beziehung
zwischen dir und mir.

Von Frau zu Mann,
von Mann zu Frau
hoffnungslos
Freundschaft gibt es nicht.

Von Frau zu Frau
und Mann zu Mann
da gibt es nichts
als Freundschaft.

Ich liebe meinen Pudel,
dir ist deine Ziege alles
doppelt genäht
hält besser.

International ist das Gesetz
der Liebe, unausweichbar
für dich und mich.
Früher also war das Wirklichkeit
und alles war anders.

2013-08-04

Auf in den Zoo

Die Kraft einander zu belügen
schlummert bedrohlich
Erinnerungen auch im Schlaf, im Traum, sind schmerzhaft.

Katergefühle früh am Morgen
alles vergessen
die letzten Nächte waren zu kurz

Spätnachrichten helfen ganz bestimmt nicht
bis in den frühen Morgen alles verschlafen.
Was war, das ist zu wenig. Keine Ausrede!

Wollen wir heute
mit den Kindern
in den Zoo gehen?

2013-08-02

2013-08-03

Auch nach meinem Tode

Du sollst auch nach meinem Tode für mich da sein
mindestens in 3-D

Du musst nicht mehr Zähne geputzt haben,
wenn du mir zu nahe kommst, mich anhauchst, usw.
Ich werde dich trotzdem um mich herum fühlen
ich liebe dich, dabei bleibt es.
Du bist meine Verrücktheit, mein Irrsinn
ich etwa dein Fehltritt?

Sollten nach dir auch andere ihre Hände ausstrecken,
ich dulde keine ihrer Berührungen. Du bist tabu!
Freizügig bin ich
nach den Erfahrungen mit der offenen Liebe
schon lange nicht mehr.
Die Jahre holten uns ein.
Und wie trägst du dein Witwendasein?

Stell dir vor, ich wäre noch anwesend, körperlich!
Du könntest mir Sauerkrautsaft anbieten
ich meine: für die Verdauung.

Deine Lockenwickler drücken auf meine Brust.
Seit meinem Abschied trägst du ein Korsett?

In meinen Träumen kommst du nicht mehr vor,
es hat sich ausgeträumt, das Licht ist an;
es leuchtet die Wirklichkeit. Lügen heizen nicht.

Du wirst doch nicht mit der Faust
dem Sozialismus dienen!
Ich hielt dich für aufgeklärt.

Du sollst dem Manne mit der Faust dienen
keine Partei hat das Recht an deiner Zunge
deine Lippen haben mich zu Umklammern

Ich liebe Schraubverschlüsse
sie sind leicht zu öffnen, schonen die Umwelt
später wird es auch in Weinflaschen
Sauerkrautsaft geben.

Was trinken wir auf uns,
wenn wir nach der Trennung wiedervereinigt sind?
Wehe, du lässt mich Sauerkrautsaft riechen!
Körperliche Wirklichkeit käme dir zu nahe.

2013-08-03

Hier ist der Hochtaunusservicedienst

Hier sprechen der Elternberuhigende und Eheklebende Beirat,
eine Etage darüber ist das Kinderverhütungsbüro
auch sind dort ansprechbar der Kurschattenbesorgungsdienst.

Die Ämter vom Begleitservice wurden auf höhere Weisung
zusammengelegt.
Sie können je nach Neigung das Geschlecht ihrer Begleitung bestimmen.

Grab- und Urnenredner wurden ebenfalls zusammengelegt.
Hierfür stehen nur männliche Herren und Damen zur Verfügung.

Die Tötungssparte ist ausschliesslich über die Geheimnummer
erreichbar. Sie benötigen dazu ein Passwort sowie ein beglaubigtes
Führungszeugnis. Selbstmordplanungen sind ab Volljährigkeit frei.

2013-08-03

2013-07-22

Bürger im Darkroom

Nein, nicht in Haft unter speziellen Haftbedingungen
Nicht, weil der Strom wegen eines Schadens nicht kommt
Darkroom steht für Abenteuer, speziell für Männer, Bürger also!
Eine gewisse Überwindung kostet das Überschreiten bürgerlicher Schranken.
Ja, Vergleiche sind möglich, zwingen sogar auf Linie.
Für Darkroom-Ereignisse Worte finden, mit den Gegebenheiten im Einklang stehen.
Es gibt bei weitem leichtere Aufgaben zu lösen.

Mit fliegenden, im Laufschritt wehenden Fahnen in den Krieg ziehen.
Keiner bleibt draußen vor den Tür. Inside findet sich genügend Raum.
Einzig Freiwillige zahlen den Preis, sie zahlen lustvoll in Hoffnung. Neue Erfahrungen.
Wer sich freiwillig gemeldet hat, darf sich schamlos jener Waffengattung anschliessen,
die auf ihn den grössten Reiz ausübt und für ihn die grösstmöglichen Wonnen bevorraten.

Wie von Wolken getragen. Ohne Gesinnung, fast besinnungslos, kraftgestärkt
auf ins Schlachtengetümmel.Sich selbst besiegen. Über sich stehen. Hoch droben. 
Versteht sich von selbst: für derartige Heldentaten wird kein Denkmal in Bronce und Stein                     auf dem Marktplatz von den Bürgern als beispielhaft beschlossen.

All inclusiv! Niemand hat bei der Abgabe des Garderobenschlüssels zum Abschied 
                eine Rechnung zu begleichen. Bei klarem Eintrittsverstand: 
                alles ist zuvor, vor dem Treiben, geregelt.

Nichts blieb offen. Alle Wünsche wurden erfüllt. Der Wille zur Wahrheit ist Tablettengesichert. Beim ersten Mal ist alles auch bestens verträglich.
Keine Nachwirkungen gibt es. Die stundenlange Versenkungswirkung ist gesegnet.
Jeder Mann kann sich mehrmals fallen lassen. Die Probleme, gleich welcher Art,
                 bleiben draussen, sind klein, werden durch offene Geilheit überrollt.

Nein, an Drogen habe ich dabei nicht gedacht. Ich ließ mich einfach vorbehaltlos einladen,
Ich liess mich verabreden mit anderen zusammen zu kommen.

Zwar ist der Blick im Darkroom mehr oder weniger leicht getrübt. Von Durchblick
                 kann keine Rede nicht sein.  Man wurde vorsortiert angesprochen.
Man wird gefragt ob man Chemsfriendly sei. Ich bin ein bejahender Typ.
Schon im Kindergarten und in der Schule: ich war zu allem mit anderen bereit.
Niemals Spielverderber, niemals Aussenseiter. Ich war dabei. Schliesslich:
                 man lernt nie aus. Die üblichen Sexdates glaubte ich alle zu kennen.
Männer ohne Gleitgel sind Bürger. Frauen brauchen das nicht. 
Frauen sind von der Schöpfung bevorzugt. Sie wussten es nur nicht.
Immerhin: jetzt gibt man ihnen mit den Waffen auch die Gleichberechtigung.
Ob Schützengraben oder Darkroom im Dämmerlicht: Frauen wollen nicht immer.
Es stimmt also: die Geschlechter sind unterschiedlich. 
 
2013-07-21 

2013-07-20

Das weisse Blatt ist nackt

Noch trage ich meine eigenen Haare
Noch ist die Kopfhaut kein Spiegel.

Der lange Rock wäre eine Wohltat
           für fussballbeinige Männer.

Ich denke: darauf kommt es nicht an.

Dauerblumen entwickeln sich trocken am besten
Den Wohnungsschlüssel nebenan hinterlegen
Den Takt halten - auch ohne Hose
Politpropaganda trotzdem ablehnen
             die Stimme nutzen
PR.Strategie geht selten auf Suche nach Grösse
Kein Pferd will nicht gern zurück. Auf jeden Fall
Man muss dem Flurdienst ins Auge treten.

Schon gehört? Frostschutz verschiebt Demenz ins Kühlfach
Wo aber ist mein Geld, das ich nie gehabt habe
Ist es weg wie meine Schuld?

Unschuldig war ich nie auch nicht nach meiner Geburt
Verflixt und zugenäht - immer dies zu enteignende Mittelmass.

2013-07-05  


Du - Mensch

In dir lieben, der du warst
Dich in die Gegenwart zurückzwingen
Gealtert sind wir täglich Jahr für Jahr   
             vor lauter Liebe,
             vor lauter Verlangen
Nacht für Nacht, Tag für Tag
Am Vormittag, am Nachmittag
             und zwischendurch
             im Aufzug, unter der Treppe
Gute Träume festigten uns
Die anderen blieben draussen.

Dein Glied in mir hat nichts mit der Gegenwart zu tun
Die Vergangenheit körperlich flach gelegt
Erst waren die Haare grau, jetzt sind sie weiss
Ansonsten schreite ich freiweg und ohne Metall in mir.

Vor jedem Absturz hüte ich mich
             kein neues Knie, 
             keine Ersatzhüfte
Ich sehe durch eigene Augen
Die Welt liegt mir zu Füssen
             aber ich bücke mich
             nicht mehr
             vorsichtshalber...
Küsse nicht mehr fordernd
             will nichts
             vom Zahnersatz
             herunterschlucken.

Gestern einen Wunderkamm erstanden
Ja, die Locken und Wellen wie damals
Passen zu den geschnitzten Figuren
Hölzern wie du und ich, wir sind ja so versteinert.

Noch eine Klassenarbeit:
Thema Mensch du, du und ich
Ich weiss nicht recht: du bist zu stark
Wie ein Klotz - ich atemlos.

Kurzatmig für später lernen
Später ist jetzt - wir haben gelebt.

Gegenwart atmet Endzeit - nicht akzeptabel
Fern jeder Erfahrung anders und so.
Zur Probe aus dem Stand gläubig werden 
Kein Gewinde zum Schraubverschluss.

Ewig dauert die Zeit seit damals nicht
Wasch dir Schwanz und Hals 
               rechtzeitig
               für die Zukunft
Denk dran: sie kommt!

Und jetzt wehr dich oder vergiss was ich sagte!

2013 - 06 - 11
2013 - 07 - 20

2013-05-29

Am Anfang das Ende

Den Rufer in der Wüste
ihn sehen, nicht hören
hören, aber nicht sehen.

Kann man beides auf einmal?
Sehen und hören oder hören und sehen!
Den Durchblick behalten, ihn haben.
Alles in der verordneten Ordnung.

Ja, das ist es
nein, das kann es nicht sein
doch gegen Glücksgefühl hilft kein Widerspruch.

Im Anfang wartet das Ende.
Am Ende lässt sich der Anfang nicht leugnen.
So oder anders ist das Leben.

Leben als gäbe es kein Morgen.
Das Morgen lebt auch ohne Leben.
Nur das Heute braucht das Leben
Märchen bis zum Ende.

2013-05-26

In die Kindheit

zurück in jene Träume, die aufs Großsein  verweisen
aus der Kindheit in die Pubertät
geschwollene Lippen, erigierte Pimmel.
Alles fremd und ungeheuerlich.
Voller Geheimnisse die Gegenwart.
Unaussprechliches braut sich zusammen.
Die Welt der Erwachsenen scheint undurchdringlich.

In ein paar Jahren schon ist Schule Vergangenheit
nun endlich kann Leben im Leben gelebt werden.
Die Träume sind grösser geworden.
Auch die Enttäuschungen.
Erwartungen werden enttarnt.
In den durchlebten Vergangenheiten
da war noch kein Sterben.

2008-12-14
2013-05-29

2013-05-25

Noch leben

Ja, ich weiss, der Puls ist es.
Viel zu hoch. Schon lange.
Man sagte es mir.
Ich fühle mich immer noch schuldig.

Vor sechs Monaten die neuen B-Blocker.
Ganz vorsichtig. Nur eine halbe.
Vielleicht dann einen halben Marathon?
"Sie wollen doch Ihr Herz nicht überfordern".

Es könnte sich entzünden, den Tod entzücken!
Die Nieren grinsen, die Leber arbeitet.
Der Magen hält still, auch die Galle.
Und überhaupt: Der Unterleib!

Zuweilen glüht der Kopf.
beim Flachbildfernsehen,
durch Filme, Serien, Telenovelas,
auf Reisen, am Schalter, durch Kellner.

In Telenovelas kann man sich echt hineinleben.
Man atmet mit, man regt sich auf.
Das wahre Leben bietet einfach zu wenig.
Figurenwechsel, Abschiedsszenen, Beisetzungen
auch Hochzeiten und Taufen können in Erregung versetzen,
bringen totale Wendungen in alte Geschichten.
Neue oder ähnliche Probleme, neue Gesichter,
neue Lieben und andere Handlungsplätze.

Draussen: Das Leben geht weiter.
Drinnen: Im Dunkeln leuchten die Weltuntergänge riesig.

2008-09-25
2013-05-25

"Ich bin meine Geschichte"

"Ich bin meine Geschichte" sagte Rüdiger Vogler
"Im Lauf der Zeit", ehe er das Licht löschte.
Welch eine Ausspruch mit Tiefgang.
Er bleibt im Raum, füllt ihn aus.

So eine Bemerkung wird inhaliert.
Vorsicht: Blähungen können unangenehm werden,
in voller Selbsterkenntnis zu Schmerzen führen.
Rechtzeitig die Luft anhalten. Der Atem steht.

"Du steckst noch in der Tinte" meint der Hauptdarsteller
zu seinem Hauptpartner während der Nebenpartner Zeichen gibt.
An nichts kann man sich halten, erst recht nicht festhalten.
Zu manchen Zeiten laufen Zeit und Tinte den Bach hinunter.

2008-10-04
2013-05-25

2013-05-16

Nur Zeit verloren

habe ich
mehr nicht.
Andere das Leben, einen Daumen.
Die Zeit ist eine andere
früher gab es so was nicht.
Früher war alles - bekanntlich -
besser.

Jetzt haben die Züge keine
Verspätung mehr, die Busse 
fahren pünktlich. Auch Flieger
werden nicht mehr vom Bahnhofsvorsteher
bestreikt. Niemand verliert noch Zeit.
Verlorene Zeit wird heute gutgeschrieben.
Sogar an die Sekunden wurde gedacht.
Der Gesetzgeber denkt an alles, sogar
an den Kleinen Mann. Hauptsache
der Grosse Mann wird nicht vergessen!

2008-12-11
2013-05-16

2013-05-12

Neue Wege

Vorgestern sagte mir eine Stimme, ich solle träumen.
Gestern sagte mir eine Stimme, ich solle mich neu erfinden.
Heute träume ich mich anders.
Ich lebe freiweg neu meine Vorstellung von morgen,
mehr als vierundzwanzig Stunden täglich.
Jede Stunde leben, jede Minute.

Die Stimme von gestern ist stumm geworden,
meine andere, die neue Stimme, ermuntert mich, sagt:
Ja, ich sei auf bestem Weg. 
Verführerisch!

Die Zeit vom Alter bis zum hohen Alter wird
ausgequetscht bis zum letzten Sehnsuchtstropfen.

Und wenn ich dereinst wirklich alt geworden bin,
wird eine andere Stimme Laut gebend
mir weitere Wege weisen?

Werde ich oder werde ich nicht folgen.
Werde ich den Faden erneut aufnehmen?
Welche Farbe wird er haben?
Werde ich die Sonne wiedererkennen?

Dem Ende entgegen leben.
Die Zukunft schon heute 
der Vergangenheit anlasten.
Letzte Stunden beinhalten Ewigkeiten.

Sollte ein Gott aus der Welt der Götter
Zeit haben oder Beschäftigung suchen,
darf er mich finden.

2002-12-31
2013-05-12

2013-05-10

Morgen um diese Zeit

Das sagt sich so leicht hin
"morgen um diese Zeit!"

Dann aber, morgen,
ist das Heute ausgebrochen.

Angebrochen ist das Heute
schüchtern und zurückhaltend.

Noch fordert das neue Heute
fast nichts, noch ist es schwarz.

Ein anderes Datum wird dem Heute
von eben bis jetzt brutal
rücksichtslos aufgezwungen.

Ja, es ist eine Hinrichtung
dies Wegwischen vom gestrigen Heute.
Es ist ein Auslöschen.

Niemand stellt Strafantrag.
Die Alten jammern: gestern,
ja, gestern war alles besser.
Sind sie alle vergesslich geworden ...?

2013-05-09

2013-05-09

Riesig das Haus

Nein, das ist kein Haus,
es ist ein Gebäude, ein wahrhaft Gewaltiges,
drinnen grösser als draussen.

Man darf gar nicht daran denken,
ja, geradezu erschreckend der Gedanke,
es abtragen zu müssen.
Armeen von Lastkraftwagen
werden den Schutt
in ferne Täler entsorgen.

Der Mensch schuf die Zukunft,
Gott erschuf die Welt, 
unter anderem den Menschen.
Gott war Gott, als er alles schaffte.
Den Menschen aber grollte er.
Er hatte sich das alles ganz anders vorgestellt,
Diese Entwicklung ging ihm gegen den Strich.
So kam es zu seinem Vernichtungsschlag.

Die Sintflut jedoch war so verheerend, dass Gott
ein menschliches Rühren überkam.
Nie wieder soll die Erde vom Wasser vernichtet werden,
zumindest wollte Gott an keine zweite Sintflut denken,
sie sollte einen Einmaligkeitscharakter bekommen.

Ozeanische Purzelbäume aus tiefsten Tiefen heraus:
Tsunamis wurden Ersatz! 

2013-05-08

2013-05-05

Wichtiger Termin

Er rückt näher, näher und näher.
Ich fühle mich schlechter, schlechter und schlechter.
Das Denken rundum im Endloskreis
vorm Einschlafen, nach dem Erwachen.
Es muss doch einen Weg zum Aussteigen geben.

Und wieder erwartungsgemäs schlecht geschlafen.
Auswege waren glatt, bergauf und bergab,
zu steil zum befreienden Einschlafen -
mit einem Wort: rutschig
dazu das Wissen: die nächste Nacht kommt bestimmt.

Brustwarzen in Erregung haben bisher ebensowenig geholfen
wie die Männlichkeit auf Kommando versagt.
Frauen kommen trotz ihrer tieferen Geheimnisse auch nicht weiter.
Dieser wichtige Termin lässt sich nicht wegsperren 
weder mit Worten noch durch Hypnose.

Der Termin rückt heran,
vor jeder Nacht fürchte ich mich,
Übermorgen ist es soweit,
ich sollte ausgeschlafen erscheinen.

Im Spiegel kann ich mir überraschend gute Zensuren geben, 
ich habe gut geschlafen, sehr gut sogar. Ohne Psychiater.
Die anstehenden Probleme sind zwar nicht gelöst,
doch ich bin nicht wirklich vom Sockel gehoben. 
Ich bin nicht mehr furchtsam.
Ich glaube ich wachse!
Ja, ich fürchte mich nicht mehr.

Vielleicht sollte ich die Nacht vor dem Termin
aus dem Kalender streichen.
Einfach so! 

2013-05-0


















2013-05-04

Gib Pfötchen

Sei ein braver Hund ...
Ja, die Katze ist ein Spielverderber
stimmt, auch der Kater!

Hund und Katze würden nie heiraten
sie mögen sich 
schon beim ersten Kennenlernen nicht.
Wenn doch, so ist's ein Irrtum der Natur.

Kein Pfötchen, kein Küsschen
so als hätten sie zu tief
in religiöse Frauenzeitschriften geschaut.

Menschen fürchten sich
überall überlagern Keime und anderes Getier
die Sauberkeit.

Auch Kinder küssen keine Türgriffe mehr
allgemeines Rumnuckeln war gestern
sogar eigene Daumen werden schon verschmäht.

Gleich nach Bezug des Hotelzimmers
werden hölzerne Sessellehnen
und Plastikteile im Do-it-yourself-Verfahren
bakterienabstossend behandelt.

Wer nach langer Fahrt dringend auf Klo muss,
schrubbt und reibt, spült und trocknet.
In Fünf-Sterne-Hotels stehen schon
gutsortierte Utensilienkästen mit Reinigungsmittel
zur Selbstbedienung neben der Toilette bereit.

Es ist schon lange her, dass am Ende des Ganges
das Stille Örtchen nach Zitrone und Sommerwiesen duftete.
Unvergessen die Ermahnung zur Sauberkeit der Gäste.
Es gab den Hinweis auf die beispielhafte Reinlichkeit der Katze.
Die Katze leckte motiviert 
rund um sich rum, auf dass der nächste Benutzer
das Örtchen blitzblank und wohnlich vorfand.

Nach all dem Schmutz und Dreck im Krieg
nach der Überwindung der Trümmer
kam die allgemeine Sauberkeit
die Selbstreinigung der Menschen.
Von den Amis lernten die Deutschen.
Die Ersten beginnen jetzt einander
nicht mehr wahllos die Hände zu schütteln.

Die Kinder werden nicht mehr dazu angehalten
das 'schöne Händchen' zu reichen.
"Gib Pfötchen" heisst es nur noch zum Hund,
das süsse Kätzchen krault man  
oder greift zur Begrüssung vorsichtig zum Schwanz.

2013-05-01  
   

2013-05-02

Er hat das Alter

Endlich, er hat das Alter
aber er ist noch lange nicht alt.
Genug gelebt? Schnell noch
einen Band Erinnerungen.
Die Welt wartet darauf.

Genug gelebt, Zeit für Veränderung
die Erben wollen endlich Erben 
die Krankenversicherung will nicht
zahlen sollen jetzt die Erben.

Jahr für Jahr Geburtstag feiern
ach, wie langweilig
er will Einladungen nicht mal auslosen.
Auf sich gestellt reisen?

Die Gelenke - gleich ob alt oder eingesetzt
Die Augen - gleich ob mit oder ohne Star
Die Prostata - peinliches Wirken in jeder Pissbude
Besser nichts weiter aufzählen - Magen, Darm usw.

Frau ist alt: nörgelt
Mann ist jung: vögelt.
Die ganze Welt ist quergestellt
und immer wieder diese Attentate!

2013-01-07
2013-05-02

Schnell, vielleicht ...

... entschlossen bin ich nicht
mir fehlen die Schlüssel.
Auf die großen Worte verzichte ich,
ich benutze andere!

Zwischen Apfel-, Atom- Eis- und Birnenbombe
Wertigkeiten setzen - beeindruckende grosse Worte finden?
Geht mich nichts an,
habe nicht studiert.

Kant meinte
Hegel bestimmte
Adam suchte
die Genauigkeit in jedweder Aussage.

Warum ausgerechnet ich, wieso soll ich
die empirische Wahrheit nicht nur finden,
sie kennzeichnen, bestimmen,
sie auch noch massenverständlich aufbereiten!

Ich bin weder Papst, noch bin ich Gott
bin Mensch
bin Adam und Eva

2002-09-12

2013-05-01

Dich im Gestern geliebt

Richtung Zukunft
Versuchsweise
Die Vergangenheit noch nicht abgeworfen
die Zukunft undenkbar
den Taschenlügen ausgeliefert.

So sehe ich und kann doch nichts
sehen, wenn die Zukunft so verblendet.
Das Gestern verschwimmt
mit und ohne die Gedanken an das Ich
von Gestern. So geht es nicht weiter.
Die Spurbreite stimmt. Dafür werden schon
Tickets verkauft.

Das Heute ist ganz nah, ist fassbar, ist hier.
Das Gestern war in Liebe getränkt,
von Kämpfen überzogen.

Morgen ist alles anders, ist neu.
Zeit zum Träumen ist ausverkauft
ringsum nichts als wiederaufgebaute Trümmer.

2013-01-21
2013-05-01

2013-04-29

Das Herz schlagen oder die Befreiung aus der Unvernunft

Es gibt Ziele und
es gibt große Ziele.
Das grösste aller Ziele ist
die Befreiung aus der Unvernunft.

Schwer zu erklären
was das ist, die Selbstbefreiung.
Vielleicht die kraftvolle Befreiung gebundener Hände
das erreichte Ende einer Sucht?

Ich lerne das Übersetzen
von einem Ufer zum nächsten
von einem Text zum nächsten
Signale verstehen lernen.

Schlag die Kodo-Trommel
schlag vorsichtig mit aller Kraft auf die Haut
Lausch dem Klang, fühl dich angesprochen
spür das Vibrieren im Körper

 Ändere den Rhythmus
denk nicht, sprich nicht
auch zu dir selbst und anderen Göttern
bleib stumm, bewahre Haltung,
schlag dir die Routine aus dem Kopf.

Auf schneebedeckten Gipfeln ferner Berge
das Meer atmen, in Kuhlen der Wüsten
den Wind mit Sand ertragen
die Augen lässig schliessen.
Kakteen als machtvolle Königinnen erkennen.

Blüten sind schön anzusehen
haben aber keine Zukunft
auch die Düfte vergehen
keine Träne  wirkt da noch Wunder.

Blut zu Wein, Speise zum Körper
im Kreislauf des Lebens
der Vernunft ausgeliefert
auf richtigem Ufer.

2013-04-27


2013-04-26

Lass mich deine Hure sein

Wenn ich deine Hure bin
dann bist du frei, hast nur für meine Dienste
deine Zahlungen nach Tarif zu leisten.

Mein Umraum ist dir zu Gefallen ausgestattet
ich stelle keine Ansprüche, du kannst sogar
dich fremdversorgen ganz nach belieben.

Keine Ängste schnüren dir die Kehle zu
Keinen Hochzeitstag kannst du vergessen
Kein Besuch beim Juwelier wird fällig.

Ich bin dann dein
im Rahmen meiner beruflichen Möglichkeiten
bin dir treu.

Mich musst du nicht lieben
doch ich kann dich begleiten
ich habe das richtige Auftreten

Mir ist auf Dauer keine Ehefrau gewachsen
was ich alles kann, müsste sie noch lernen
außer sie hätte früher auch als Hure gearbeitet

so wie ich.

2013-04-26

2013-04-23

Schäm dich!

Ja, tu es
stell dich
in die Ecke

Du tust es
damit kein anderer
dir zuvorkommt
dich väterlich rannimmt

Früher war alles
natürlich besser.
Zugegeben: früher gab es
Armut wie heute

Wenn die Armen von früher
so hätten tafeln können
wie die Bedürftigen unserer Tage
sie hätten vor Glück nicht schlafen können

Ach, wie hinreissend dies Leben
mit diesen schönsten körperlichen Erlebnissen
bis hinein ins Paradies 
mitten hinein zu den Jungfrauen 
in den ersehnten Tod.


2013-04-23 

2013-04-22

Vergiss es

Setz ne Kappe auf
halt es zurück
vergiss alles
geh drüber weg
aber achte auf die richtigen Schuhe

Früher nahm man einfach Überzieher
dann das Fabrikat beim Namen
dann Pariser, Präser und so weiter

Nach dem aufblasbaren Häutchen
strecken sich die Kinder
das Gelächter, dies Kreischen
welch Lustbarkeit
wenn der Ball platzt.

2013-04-22 

Das Lied von der Nachhaltigkeit

Auf langer Allee
dahin schreiten
links und rechts
Baum für Baum hinter mir lassend

Auf dem Fluss
dahingleiten
vorbei an Pappeln und Büschen
an Buhnen und Buchten

Bäume fällen
dem Wasser Grenzen setzen
den Willen des Volkes vollstrecken 
naturgemäss die Gesetze in Schönschrift achten
berechtigte Einsprüche sind zur Kenntnis genommen
sind registriert
für die Nachwelt nachvollziehbar.

Die Wirtschaft
braucht die Wechsel
und Staatsanleihen
als Kapital für den Staat

der Handel
braucht den Wandel
und ich brauche
Kuchen mit Sahne.

2013-04-21

Du hast mehr

Du hast mehr Fragen als Antworten
du willst mir an mein Ich
mir unter Haut und Pelz 
mich in ein Mosaik zerlegen. 

Ich suche nach Worten zu Antworten
ich will dir an dein Ich
dir unter Haut und Pelz
ich will vielleicht mein Ich zerbröseln
so, und nur so, verstehe ich mich.

2013-01-22
 


 

Letzte Hose

Nicht für uns
wir sind jung
zu jung sind wir!

Ihr seid alt
meldet euch
rechtzeitig 
vielleicht ist noch 
ein Platz frei.

Hosen
Jeans natürlich
was sonst
Offene Hosen
enge Hosen
schlabbernde Hosen

Im Tod haben Hosen
bis auf die letzte
ausgedient.

2012-09-09

Der Klavierspieler

Und nun bückt er sich wieder
sammelt verlorene Noten für die Tasten
blick hinter sich ins Dunkel
undankbar ist er, er lächelt nicht
die Lippen sind geschlossen.

Schon lange sang er nicht

Die Zeit ist eingeteilt
alles ist vertraglich geregelt.

Warum unnötig die Stimme erheben
singend erstrahlen lassen.

Vielleicht auf der nächsten Demo
wenn sie darauf Wert legen
die Jungen, die Alten von morgen.

2012-09-28 

2013-04-20

Sterben zum Happy-Hour-Preis

Was nicht geht, geht nicht
man muss es nur wollen
wirklich wollen, sonst

In den Bergen, auf See
wechselt das Wetter nach Belieben
der Föhn gibt die Obertöne,
die halbe Natur spielt mit
und du willst nur einen Happy-Hour-Drink?

Auf dem Zweitäler Bach wechselt vorsichtig
       ein Oceandampfer die Spur.
Nichts ist wie gestern. Auch der Nebel
ist überraschend fremd geworden.

Nichts ist wie gestern. 
man muss es nur wollen.


2012-09-28

... mir gibst

Du - sei mir Frau
ich hab's nötig.
Du weißt schon
ich gebe dir alles
wenn du dich ...

Wenn nicht ...
ich würde dich 
wenn du mir
... du weißt, was ich will,
du verstehst mich doch

du gibst mir alles
du zögerst ...
du hast mir was zu sagen
du willst reden
die Dinge klarstellen 

Alles auf Anfang!
Aber nicht mit mir ...


2012-09-28

Und schon wieder

Der Bus ist weg
mein Wagen schläft
das Telefon wird abgehört
mein Sohn ist grün.

Was soll man da machen?!

Vielleicht den Wagen wecken
die Wanzen einschläfern

Mein Sohn aber, der bleibt grün
der ändert die Fahrpläne.

Der nächste Bus ist meiner!

2012-09-28

Ende

Er fragt sie, als sie
Richtung Schlafzimmer ging

"und was hast du noch
zu tun?"

"Wünsche aufhängen."

Alls sie wieder herunterkam,
nachschauen
warum ihr Mann nicht kommt,
hat er sich in der Diele
aufgehängt.


1990-12-12

Alles viel zu wenig

Alles zu viel
alles zu wenig

in Seide gekleidet
alls edel
viel zu billig

feuchter Cognac
ausgetrocknet der See
Klee nach Marocco
andere Farben braucht der Mensch

Museumsnächte sind vergänglicher
Theater werden abgerissen
Birnen suchen neue Ziele

Zylinder außer Mode
Flieger für den Sieg
out

Aus wenig wird viel
viel zu wenig
versprochen.

7. 4. 2013

2013-04-13

Gestern.

Gestern den Kalender mit seinen Termineintragungen schon dem Heute unterlegen. Gestern vom Heute wissen. Jubel Jubel!!!
Und so weiter Tag für Tag. 
 

heute

das Heute ist vom Terminkalender negativ besetzt. Dem zum Trotz bin ich durch die Umstände gezwungen ihn zu öffnen. So damals. Ich kann aber das Geschehen nicht ungeschehen machen. Dem muss ich mich beugen. Ungern. Und überhaupt.  

2011-09-11

Alte Zeiten 2011.08.23

Alte Zeiten

Es sind die alten Zeiten
fürwahr
sie öffnen die Hirne

Schulanfänger gedenken ihrer
Kindergartenzeiten, sie
lächeln im Rückblick noch nicht

Studenten erwarten Freiheiten
die keine sind
im Gegenteil: wie in der Schule!

Ewige Junggesellen wollen sich
zu Aussprachen anlehnen
im Beichtstuhl an Holz
im Leben an Fleisch und Blut

Eingeübte Rentner blicken zurück
auf alles und lächeln mit Tränen
sie wissen zu erzählen, sie schweigen

 

Warten 2011.08.30

Warten

Warten auf den Kaffee
warten auf den Zug
warten auf die Rückkehr

Das Gefühl von gestern
gehört morgen der Vergangenheit

Jammern und klagen
kein Fundbüro in der Nähe
keine Versicherung zahlt

Ich habe es verloren
irgendwann zwischen den Zähnen
zwischen den Geleisen
in verschiedenen Richtungen
unauffindbar
verschwunden

Gefühle lassen sich nicht festnageln
zum jederzeitigen Betrachten an Wänden
treppauf, treppab

Eine Tages, morgen ...?
warten auf den Kaffee
alles wie gehabt
Wunden lecken.

Worte, die ich spreche 2011.05.16

Worte, die ich spreche

Worte, die ich spreche, gibt es
schon längst
nicht mehr.

Sie haben mich verlassen
Worte, die mir gehörten
Wir glaubten an ihren Besitz

Neue Wörter werden ausgesprochen
fühlen sich fremd, gar falsch an
nachhaltig sie lernen, sie lehren
täglich neu wie Kohl, Salat, wie Radieschen.

Auch Wörter sind zu waschen.

 

Etwas weniger mehr 2011.02.11

Etwas weniger mehr

Lass uns etwas zusammen machen

      ein Gedicht
      ein Theaterstück
      einen Roman
      ein Bild, Foto, Gemälde
      oder gar
      einen richtigen high-budget-Film

über das Urhebergesetz
können wir später verhandeln
Hauptsache: etwas weniger mehr!

 

Aber, aber 2011.03.17

Aber, aber!

Nippen muss man, nippen
nicht alles auf einmal heruntergiessen
das hat schon Ewigkeiten gelagert
Dieser Schluck braucht ein langes Leben

überleben
im Whisky-Fass
Ja, der Partei trete ich bei!

Guten ... 2011.03.21

Guten ...

Willkommen im Leben:
Die Frühlingslämmer sind da
und bald ist Ostern.

Noch ein bisschen wachsen
dann ist die Zeit
zum Abstillen gekommen

Es lässt sich nicht leugnen
wir brauchen die Milch der Mütter
für Frisch- und Altkäse seit langem

 

2011-08-11

La Jana auch für dich - 2011.08.11

 

La Jana auch für dich

Auch La Jana ist/war sterblich
Auch für dich leuchtet ihr Stern noch immer
Schau, wie ihr Körper sich biegt, streckt
Noch immer dieser Tanz auf der Trommel

Auch Marilyn strahlt, läßt den Ventilator ihr Sommerkleid fliegen
fasst mit beiden Händen abwärts, streichelt die Knie, während
die Frisur ihre Statik als verloren meldet und durch die Winde
kurzfristig das Höschen für alle Zeiten sichtbar bleibt.

Gilda war Rita - Rita war Gilda
beide in Schwarz
Put the Blame on Mame
Beide streiften die langen schwarzen Handschuhe ab.

Forever Kult in B - nix Blockbuster
Film noire - klassisch echt.

Horizont in Technicolore - nun denn: prost!

2011-08-08

2011.07.31 An der Wand

An der Wand

Im Amt gibt es keine Schäden
keinen einzigen Einschuss
Nix

Im Amt wurde der Frieden gelebt
kein Schreibtisch weist Schäden auf
Nix

Außerhalb vom Amt in der Wand
entdeckte ich in Augenhöhe die Einschüsse
keine Überlebenden
Nix

Im Traum sehe ich die Gewehre
immer noch auf mich gerichtet.
Tod durch Fingerkrümmung.
Es macht Paff, dann
war ein anderer dran.

Keine Überlebenden - Nix.

2011.07.31 Weg oder weg - ein weiter Weg

Weg oder weg

Ein weiter Weg.


Stolpere nicht über Wurzeln und Steine,

über die eigenen Füße, sinnlose Sprüche;

geh übers Wasser,
rauf auf den Turm,

Richtung Horizont.
Dann am Ende angekommen, vor der Endlosmauer,

such Gott, finde Gott, verlier ihn.

2011.07.31 Wachkoma Schlafkoma

Wachkoma
Schlafkoma

komm mal her
was ist los
aber das wollen wir doch nicht
oder?
Nun bald mit dem Rolli Umgang lernen
Treppen nehmen
Kanten erkennen.

Bewegung tut not.
Ach, wie schön!

Wir sehen uns.

2011-08-07

2011.07.31 cool oder nichtcool

> Cool oder nichtcool
>
> Zweifellos: Wahrheit - nein
> Ja, einem Frosch kann niemand widerstehen.
> Rechtzeitig, unmittelbar
> weggehen,
> ehe die Erde bebt und die Fenster Höhlen freigeben
>
> zur Besichtigung.
>
> Zweifelsfrei: Ein Storch - ja,
>
> einem Baby kann niemand
> widerstehen. Rechtzeitig weggehen, ehe
>
> die Mutter kommt und der Tränen Regen
> aufs Baby tropft.
> Zur Abkühlung.
>
> Zweifelsohne: Wir müssen reden!
> Du und ich über Märchen - ja.
> Ja, das ist gar nicht so einfach. Wir brauchen
> zweifach die einfache Wahrheit. Dreifach
> genäht hält besser als zweifach einfach.
>
> Zweifelsfrei: du könntest recht haben.