2021-05-31

Kumari (aus Männlich bis zum Wahn)

Kumari, du lebende Göttin aus Katmandu


Schau mit den Augen der Weisheit auf mich,

oh du große, du Vernichterin männlicher Dämonen.

Erhebe dein Angesicht und schenke mir Gnade,

denn für dich bin ich nichts, nur ein Mann,

doch ich fürchte nicht Indra Djatrhah,

ich freue mich auf dich und den Tag.

Dein Segen wird meine Erhebung,

nur du, königliche Kumari, bist Garant für mich.


So bitte mich um Gnade, damit ich deinen gläubigen Betern

den Glauben nicht nehme. Ich bin und bleibe für dich,

du Königin, auch als Gewöhnlich-Sterblicher,

ein Mann.


Ich bin es nicht, der die Götter fürchtet,

ich nehme dich und bin für dich dann

dein Mann.


Frank Arlig

(Bad Homburg, 8. Juni 1981)



2021-05-30

Ich (aus Männlich bis zum Wahn)

Nicht nur Mann,

    ein weißer Mann bin ich

    und groß und breit

    sind die Schultern.


Die Partie um meinen Mund herum ist

    männlich streng und sehr markant.


Vom Typ her nordisch,

    wäre Rassismus ringsumher

    und nicht nur insgeheim

    gefragt.


So oder so, ich bin ein festes Glied

    der Kette - Herrenrasse,


Ein Leben zu Pferde,

    die Heimat ist ein Rittergut

    in deutschen Landen.


Von einer Frau mit ,von, zur Welt gebracht,

bin ich ein deutscher Mann und kenne meinen Wert:


Als Sieger steh ich immer oben,

    hoch auf dem Podest.


Nur Gott steht über mir,

vielleicht der Kaiser

oder ein anderer, der

    gerade mal der Führer ist.


Frank Arlig

(Bad Homburg, 6. Mai 1980)

2021-05-29

Männer: beispielhaft (aus Männlich bis zum Wahn)


Mehr Männer, als Männer es glauben würden, beschäftigen sich
nicht nur mit sich, sondern fast alle Männer beschäftigen sich mit Männern, zum Beispiel als Beispiel:

    Wenn ein Mann mit Zahnschmerzen vor mir sitzt,

        ich nehme mir ein Beispiel, so also

    Wenn ein Mann vor Ärger über den Zug, der vor ihm fuhr, platzt,

        ich nehme mir ein Beispiel, so also

    Wenn ein Mann eine Frau erobern will, die ihn nicht will,

        ich nehme mir ein Beispiel, so also

    Wenn ein Mann am Becken steht und nicht pinkelt,

        ich nehme mir ein Beispiel, so also

    Wenn ein Mann einen Mann anmacht,

        so also, so

    Wenn ein Mann, ein Mann wie Tarzan

        sich auf die Brust trommelt, so also

    Wenn ein Mann, ein richtiger Mann

        auf seinem Pferd reitend die Sonne grüßt

        und nach dem Schuß aus dem Hinterhalt

        sterbend zu Boden gleitet, so also

    Wenn ein Mann, ein Mann wie Gene Kelly

        im Regen durch Pfützen marschiert, so also

    Wenn ein Mann, so ein richtiger Liebhaber,

        ein heißer Mann, ein brünftiger, einer,

        der seiner Frau alles verspricht, ihr

        den Himmel auf die Erde runterzitiert, ihr

        schlagend sein Herz wieder entreißt

        so also, so...


Wirklich, in der Tat tatsächlich, mehr Männer, als Männer es glauben,

interessieren sich für nichts als nur für Männer.

Und manche Männer interessieren sich auch für Frauen.



Frank Arlig

(7. Juli 1980, Bad Homburg)


2021-05-28

Ich sage mich auf (aus Männlich bis zum Wahn)

Ich sage mich auf 

Ich bin hetero
ich bin homo
ich bin ich
und was bin ich
    sonst noch?
Ich bin gläubig
ich bin jüdisch
ich bin christlich
ich bin Zwilling
aber ich bin nicht
    mein Bruder
Ich bin mein Spiegel
äußerlich kenne ich mich genau
ich weiß, wie ich bin
ich bin immer mit mir zusammen

ich bin für mich
mich nehme ich wahr
und irgendwie liebe ich mich
ja, ich liebe mich wie ich bin
liebe mich wie ich nicht bin
ich liebe den, der ich morgen bin
ich bin mein Traum

ich übe mich, ich zu sein
ich will sein wie du
und mit dir will ich sein
   ein Fleisch.

Rechtzeitig lerne ich mich
    auswendig, denn
ich will mich erkennen, wenn ich
    im Dunkeln auf mich stoße

                                Frank Arlig
                                (September 1980)

2018-11-18

Auf zum letzten Applaus - Zum Tode von Frank Arlig

Pressemitteilung zum Tode von Karl Rudolf Pigge, alias Frank Arlig


  • 15. September 1932 (Pirmasens) bis 14. November 2018 (Bad Nauheim)

  • Redakteur und Chefredakteur von "akt - Aktuelles Theater", Frankfurter Kulturzeitung (Frankfurter Bund für Volksbildung)

  • Schriftsteller, künstlerischer Leiter "Tsamas-Verlag", Herausgeber des Kulturmagazins "notabene", Kultur-Redakteur für den Schwarzwälder Boten und die Badische Zeitung, stellvertretender Chefredakteur des "SchuhMarkt", Galerist, Maler und Conferencier

  • Urnenbeisetzung mit bunter Erinnerungsfeier und letztem Applaus am Samstag, 1. Dezember 2018, 13 Uhr, Waldfriedhof Bad Homburg


Schmitten/Taunus, 18. November 2018. Am Mittwoch, dem 14. November 2018, verstarb der Autor, Journalist, Maler, Gewerkschafter, Galerist, Kunstsammler und Friedensaktivist Karl Rudolf Pigge nach kurzer schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie mit 86 Jahren in Bad Nauheim.

In den 1960er Jahren war Pigge als Kultur-Redakteur in seiner ersten Wahlheimat Villingen für den Schwarzwälder Boten und die Badische Zeitung aktiv. Parallel hierzu war er als Schuhvertreter hochwertiger Damenschuhe ("Elka") in Süddeutschland tätig. Der einer Schuhfabrik-Dynastie abstammende Pigge machte eine kaufmännische Lehre bei der Schuhfabrik Ludwig Kopp AG in Pirmasens und besuchte Schauspielschulen in Hannover und Hamburg und lernte u.a. bei dem Wirtschaftsredakteur Wolfgang Semmler in Pirmasens. In Villingen etablierte er das "Villinger Kunstkabinett" und richtete Vernissagen mit bildenden Künstlern (u.a. Esteban Fekete, Horst-Egon Kalinowski, Felix Schlenker) aus.

Pigge verlegte in den 1960er und 1970er Jahren als künstlerischer Leiter im Tsamas-Verlag Bücher verschiedener, zum Teil sehr junger Autoren (Dieter Kühn, Gabriele Wohmann, Nikolai Nor-Mesek, Peter M. Michels, Gerd E. Hoffmann, Walter Aue), die sich u.a. kritisch mit Themen wie Überwachungssysteme oder Datenschutz beschäftigten oder die amerikanische Anti-Kriegs-Bewegung dokumentierten. Wichtige Anthologien des Tsamas-Verlags waren "typos 1" und "typos 2", herausgegeben von Walter Aue.

1970 zog Pigge mit seiner Frau und damals drei Kindern nach Bad Homburg, führte dort eine kleine Galerie und wurde stellvertretender Chefredakteur des damals in Frankfurt erscheinenden "SchuhMarkt". Unter seinem Künstlernamen "Frank Arlig" war er Vorsitzender des hessischen Schriftstellerverbandes und wirkte aktiv in der Friedensbewegung mit. Als Frank Arlig tourte er mit einer ersten Multimedia-Show mit Klängen, Dias und Texten unter dem Motto "Der Mann, der aus dem Dunkeln liest…" durch Hessen.

1983 zog Pigge von Bad Homburg nach Schmitten im Taunus in ein ehemaliges Landhotel. Die späten 1980er Jahre waren geprägt von seiner Arbeit als Frank Arlig für "akt - Aktuelles Theater". Die monatlich erschienene Zeitung wurde vom Frankfurter Bund für Volksbildung herausgegeben. Pigge begann als Redakteur für das monatliche Interview. Von einer 8-seitigen Programmzeitung entwickelte Pigge "akt" zu ihrer 16-seitigen finalen Form. Im Zuge der Sparpolitik im Bereich der Kultur in Frankfurt wurde die bis dahin im Druckhaus der Frankfurter Rundschau hergestellte "akt" schließlich im Jahr 1994 eingestellt.

Pigge veröffentlichte in den darauffolgenden Jahren in verschiedenen Anthologien, entwickelte Buch- und Theaterkonzepte und schrieb an Romanen zur Zeitgeschichte und über das Älterwerden. So behandelt sein "Eingegrünt" schon vor den TV-Experimenten der 2000er Jahre das Leben von wahllos zusammengewürfelten Menschen mit ungleichem sozialen Hintergrund. Darin verarbeitete Arlig auch die Folgen des zunehmenden Klimawandels, die Herausforderungen des Zusammenlebens von Alt und Jung und der andersartigen Sozialisation der "Wessis" und "Ossis" kurz nach der Wiedervereinigung. Seine Interpretation der Folgen des Zweiten Weltkriegs für das Zusammenleben der Überlebenden führt zu seinem letzten, bislang unveröffentlichten, Roman "Durch den Wolf / Komm: Kuscheln".

Pigge engagierte sich im Kreise der Schwulen- und Lesbeninitative in Frankfurt und bereicherte das Café Karussell, dem "Treffpunkt für Männer liebende Männer der Generation 60plus" mit Lesungen und Moderationen und veröffentlichte in den schwulen Stadtführern "Berlin von hinten" und "Frankfurt von hinten".

Pigge war bis zu seinem Tod 62 Jahre mit der Kauffrau und Journalistin Ursula Pigge verheiratet, hatte vier Kinder, die heute in Hessen und Niedersachsen leben. Zu seiner Großfamilie gehören außerdem zehn Enkel, zwei Urenkel und zehn Patchworkenkel.

Die Urnenbeisetzung mit bunter Erinnerungsfeier und letztem Applaus findet am Samstag, dem 1. Dezember 2018, auf dem Waldfriedhof in seiner zweiten Wahlheimat Bad Homburg vor der Höhe um 13 Uhr statt.



2013-08-10

Fremdes zum Vereinnahmen

Reisen zur inneren Belustigung
Bildungsreisen von bleibendem Wert
Unvergessliche Reise

Damals als der Kaiser gerufen hatte
Als der Führer den totalen Krieg
Reisen ohne Wiederkehr
gar zur inneren Belustigung
eingeschlossen jene Zeiten
die der Bildung dienen sollten
Unvergesslich all die Opfer
auf den unvergesslich grossen Reisen.

Man muss auf jeder Reise bereit sein
nichts gibt es umsonst
und immer ans Vaterland denken
an die Fahnen vor den Hotels
du kannst die Nationalhymne auswendig?

Budenzauber im Norden und Körperertüchtigung
Warum nur wird heutzutage
nicht mehr zu den Waffen gerufen
es war doch ehedem so bequem
kostenlos zu reisen
und heute ist sogar der Fahrschein
zur Demo am Automaten zu lösen.

Man glaubt es nicht
Pauschalreisen mit All inclusive
gab es damals auch, aber gratis
man zahlte mit Kopf oder Bein
manche zahlten mit Schwanz und Hoden
unvorstellbar für die Nachgeborenen.

Lieber bleibe ich verwurzelt daheim
besser ich lasse mich nicht überreden
ich will mich nicht anstecken
ich träume davon Kaiser und Führer
ich will sie am liebsten leugnen
haben die beiden je gelebt?

2013-08-10

2013-08-04

Viel Glück

Kinder machen
immer Spass.
Kinder kriegen
genau so viel?

Ich halte mich zurück,
ich halte nichts davon
Kinder machen
zwischen Angel und Tür.
Nein, das bloss nicht,
ich halte mich da zurück,
reisse mich am Riemen.
Mit mir nicht,
bin noch zu jung,
nicht ausgereift.

Viel Glück im späteren Leben,
in der Praxis, im Labor,
auf der Bühne, im Orchester.
Du schaffst es, nimm dir die Kraft.
Lass dich nicht anmachen, es könnte dich
schwängern, der Mutterschaft in die Arme führen.
Stell dich nie unter die Laterne
du bist keine Braut auf Abruf!

2013-08-04

Umgedreht wird ein Vers daraus

Deine Arme umtanzen mich
fast vertraue ich dir
fühle mich in deiner Sehnsucht wohl
fast geborgen; doch du willst, was alle wollen.
Ich lasse dich los, löse die Umklammerung.

Deinen Orgasmus lese ich als Abschiedsbrief
er ist wieder einmal zu kurz geraten.
Wir passen weder auf noch ineinander.
Unsere Zeit ist Vergangenheit, ist
gleich einer Aufziehuhr abgelaufen.

Pass auf: Der Kanaldeckel liegt nebenan.
Nein, weder mit dir noch allein,
ich will noch nicht hinabsteigen.
Erstmals werde ich mich
nicht in dir verlieren.

2013-08-04

Bedrohlich

Bedrohlich dieser Unterschied
Zwischen Brot und Kuchen
zwischen schwarz und weiss
zwischen arm und reich
also bedrohen wir die Bedrohung.

Auf, auf Kameraden
aufs Pferd, aufs Pferd!

2008-05-23

Früher

Früher. da war das
mit und zwischen uns
ach, war das schön.

Ich hatte so recht,
das war fast untragbar
diese Beziehung
zwischen dir und mir.

Von Frau zu Mann,
von Mann zu Frau
hoffnungslos
Freundschaft gibt es nicht.

Von Frau zu Frau
und Mann zu Mann
da gibt es nichts
als Freundschaft.

Ich liebe meinen Pudel,
dir ist deine Ziege alles
doppelt genäht
hält besser.

International ist das Gesetz
der Liebe, unausweichbar
für dich und mich.
Früher also war das Wirklichkeit
und alles war anders.

2013-08-04

Auf in den Zoo

Die Kraft einander zu belügen
schlummert bedrohlich
Erinnerungen auch im Schlaf, im Traum, sind schmerzhaft.

Katergefühle früh am Morgen
alles vergessen
die letzten Nächte waren zu kurz

Spätnachrichten helfen ganz bestimmt nicht
bis in den frühen Morgen alles verschlafen.
Was war, das ist zu wenig. Keine Ausrede!

Wollen wir heute
mit den Kindern
in den Zoo gehen?

2013-08-02

2013-08-03

Auch nach meinem Tode

Du sollst auch nach meinem Tode für mich da sein
mindestens in 3-D

Du musst nicht mehr Zähne geputzt haben,
wenn du mir zu nahe kommst, mich anhauchst, usw.
Ich werde dich trotzdem um mich herum fühlen
ich liebe dich, dabei bleibt es.
Du bist meine Verrücktheit, mein Irrsinn
ich etwa dein Fehltritt?

Sollten nach dir auch andere ihre Hände ausstrecken,
ich dulde keine ihrer Berührungen. Du bist tabu!
Freizügig bin ich
nach den Erfahrungen mit der offenen Liebe
schon lange nicht mehr.
Die Jahre holten uns ein.
Und wie trägst du dein Witwendasein?

Stell dir vor, ich wäre noch anwesend, körperlich!
Du könntest mir Sauerkrautsaft anbieten
ich meine: für die Verdauung.

Deine Lockenwickler drücken auf meine Brust.
Seit meinem Abschied trägst du ein Korsett?

In meinen Träumen kommst du nicht mehr vor,
es hat sich ausgeträumt, das Licht ist an;
es leuchtet die Wirklichkeit. Lügen heizen nicht.

Du wirst doch nicht mit der Faust
dem Sozialismus dienen!
Ich hielt dich für aufgeklärt.

Du sollst dem Manne mit der Faust dienen
keine Partei hat das Recht an deiner Zunge
deine Lippen haben mich zu Umklammern

Ich liebe Schraubverschlüsse
sie sind leicht zu öffnen, schonen die Umwelt
später wird es auch in Weinflaschen
Sauerkrautsaft geben.

Was trinken wir auf uns,
wenn wir nach der Trennung wiedervereinigt sind?
Wehe, du lässt mich Sauerkrautsaft riechen!
Körperliche Wirklichkeit käme dir zu nahe.

2013-08-03

Hier ist der Hochtaunusservicedienst

Hier sprechen der Elternberuhigende und Eheklebende Beirat,
eine Etage darüber ist das Kinderverhütungsbüro
auch sind dort ansprechbar der Kurschattenbesorgungsdienst.

Die Ämter vom Begleitservice wurden auf höhere Weisung
zusammengelegt.
Sie können je nach Neigung das Geschlecht ihrer Begleitung bestimmen.

Grab- und Urnenredner wurden ebenfalls zusammengelegt.
Hierfür stehen nur männliche Herren und Damen zur Verfügung.

Die Tötungssparte ist ausschliesslich über die Geheimnummer
erreichbar. Sie benötigen dazu ein Passwort sowie ein beglaubigtes
Führungszeugnis. Selbstmordplanungen sind ab Volljährigkeit frei.

2013-08-03

2013-07-22

Bürger im Darkroom

Nein, nicht in Haft unter speziellen Haftbedingungen
Nicht, weil der Strom wegen eines Schadens nicht kommt
Darkroom steht für Abenteuer, speziell für Männer, Bürger also!
Eine gewisse Überwindung kostet das Überschreiten bürgerlicher Schranken.
Ja, Vergleiche sind möglich, zwingen sogar auf Linie.
Für Darkroom-Ereignisse Worte finden, mit den Gegebenheiten im Einklang stehen.
Es gibt bei weitem leichtere Aufgaben zu lösen.

Mit fliegenden, im Laufschritt wehenden Fahnen in den Krieg ziehen.
Keiner bleibt draußen vor den Tür. Inside findet sich genügend Raum.
Einzig Freiwillige zahlen den Preis, sie zahlen lustvoll in Hoffnung. Neue Erfahrungen.
Wer sich freiwillig gemeldet hat, darf sich schamlos jener Waffengattung anschliessen,
die auf ihn den grössten Reiz ausübt und für ihn die grösstmöglichen Wonnen bevorraten.

Wie von Wolken getragen. Ohne Gesinnung, fast besinnungslos, kraftgestärkt
auf ins Schlachtengetümmel.Sich selbst besiegen. Über sich stehen. Hoch droben. 
Versteht sich von selbst: für derartige Heldentaten wird kein Denkmal in Bronce und Stein                     auf dem Marktplatz von den Bürgern als beispielhaft beschlossen.

All inclusiv! Niemand hat bei der Abgabe des Garderobenschlüssels zum Abschied 
                eine Rechnung zu begleichen. Bei klarem Eintrittsverstand: 
                alles ist zuvor, vor dem Treiben, geregelt.

Nichts blieb offen. Alle Wünsche wurden erfüllt. Der Wille zur Wahrheit ist Tablettengesichert. Beim ersten Mal ist alles auch bestens verträglich.
Keine Nachwirkungen gibt es. Die stundenlange Versenkungswirkung ist gesegnet.
Jeder Mann kann sich mehrmals fallen lassen. Die Probleme, gleich welcher Art,
                 bleiben draussen, sind klein, werden durch offene Geilheit überrollt.

Nein, an Drogen habe ich dabei nicht gedacht. Ich ließ mich einfach vorbehaltlos einladen,
Ich liess mich verabreden mit anderen zusammen zu kommen.

Zwar ist der Blick im Darkroom mehr oder weniger leicht getrübt. Von Durchblick
                 kann keine Rede nicht sein.  Man wurde vorsortiert angesprochen.
Man wird gefragt ob man Chemsfriendly sei. Ich bin ein bejahender Typ.
Schon im Kindergarten und in der Schule: ich war zu allem mit anderen bereit.
Niemals Spielverderber, niemals Aussenseiter. Ich war dabei. Schliesslich:
                 man lernt nie aus. Die üblichen Sexdates glaubte ich alle zu kennen.
Männer ohne Gleitgel sind Bürger. Frauen brauchen das nicht. 
Frauen sind von der Schöpfung bevorzugt. Sie wussten es nur nicht.
Immerhin: jetzt gibt man ihnen mit den Waffen auch die Gleichberechtigung.
Ob Schützengraben oder Darkroom im Dämmerlicht: Frauen wollen nicht immer.
Es stimmt also: die Geschlechter sind unterschiedlich. 
 
2013-07-21 

2013-07-20

Das weisse Blatt ist nackt

Noch trage ich meine eigenen Haare
Noch ist die Kopfhaut kein Spiegel.

Der lange Rock wäre eine Wohltat
           für fussballbeinige Männer.

Ich denke: darauf kommt es nicht an.

Dauerblumen entwickeln sich trocken am besten
Den Wohnungsschlüssel nebenan hinterlegen
Den Takt halten - auch ohne Hose
Politpropaganda trotzdem ablehnen
             die Stimme nutzen
PR.Strategie geht selten auf Suche nach Grösse
Kein Pferd will nicht gern zurück. Auf jeden Fall
Man muss dem Flurdienst ins Auge treten.

Schon gehört? Frostschutz verschiebt Demenz ins Kühlfach
Wo aber ist mein Geld, das ich nie gehabt habe
Ist es weg wie meine Schuld?

Unschuldig war ich nie auch nicht nach meiner Geburt
Verflixt und zugenäht - immer dies zu enteignende Mittelmass.

2013-07-05  


Du - Mensch

In dir lieben, der du warst
Dich in die Gegenwart zurückzwingen
Gealtert sind wir täglich Jahr für Jahr   
             vor lauter Liebe,
             vor lauter Verlangen
Nacht für Nacht, Tag für Tag
Am Vormittag, am Nachmittag
             und zwischendurch
             im Aufzug, unter der Treppe
Gute Träume festigten uns
Die anderen blieben draussen.

Dein Glied in mir hat nichts mit der Gegenwart zu tun
Die Vergangenheit körperlich flach gelegt
Erst waren die Haare grau, jetzt sind sie weiss
Ansonsten schreite ich freiweg und ohne Metall in mir.

Vor jedem Absturz hüte ich mich
             kein neues Knie, 
             keine Ersatzhüfte
Ich sehe durch eigene Augen
Die Welt liegt mir zu Füssen
             aber ich bücke mich
             nicht mehr
             vorsichtshalber...
Küsse nicht mehr fordernd
             will nichts
             vom Zahnersatz
             herunterschlucken.

Gestern einen Wunderkamm erstanden
Ja, die Locken und Wellen wie damals
Passen zu den geschnitzten Figuren
Hölzern wie du und ich, wir sind ja so versteinert.

Noch eine Klassenarbeit:
Thema Mensch du, du und ich
Ich weiss nicht recht: du bist zu stark
Wie ein Klotz - ich atemlos.

Kurzatmig für später lernen
Später ist jetzt - wir haben gelebt.

Gegenwart atmet Endzeit - nicht akzeptabel
Fern jeder Erfahrung anders und so.
Zur Probe aus dem Stand gläubig werden 
Kein Gewinde zum Schraubverschluss.

Ewig dauert die Zeit seit damals nicht
Wasch dir Schwanz und Hals 
               rechtzeitig
               für die Zukunft
Denk dran: sie kommt!

Und jetzt wehr dich oder vergiss was ich sagte!

2013 - 06 - 11
2013 - 07 - 20

2013-05-29

Am Anfang das Ende

Den Rufer in der Wüste
ihn sehen, nicht hören
hören, aber nicht sehen.

Kann man beides auf einmal?
Sehen und hören oder hören und sehen!
Den Durchblick behalten, ihn haben.
Alles in der verordneten Ordnung.

Ja, das ist es
nein, das kann es nicht sein
doch gegen Glücksgefühl hilft kein Widerspruch.

Im Anfang wartet das Ende.
Am Ende lässt sich der Anfang nicht leugnen.
So oder anders ist das Leben.

Leben als gäbe es kein Morgen.
Das Morgen lebt auch ohne Leben.
Nur das Heute braucht das Leben
Märchen bis zum Ende.

2013-05-26

In die Kindheit

zurück in jene Träume, die aufs Großsein  verweisen
aus der Kindheit in die Pubertät
geschwollene Lippen, erigierte Pimmel.
Alles fremd und ungeheuerlich.
Voller Geheimnisse die Gegenwart.
Unaussprechliches braut sich zusammen.
Die Welt der Erwachsenen scheint undurchdringlich.

In ein paar Jahren schon ist Schule Vergangenheit
nun endlich kann Leben im Leben gelebt werden.
Die Träume sind grösser geworden.
Auch die Enttäuschungen.
Erwartungen werden enttarnt.
In den durchlebten Vergangenheiten
da war noch kein Sterben.

2008-12-14
2013-05-29

2013-05-25

Noch leben

Ja, ich weiss, der Puls ist es.
Viel zu hoch. Schon lange.
Man sagte es mir.
Ich fühle mich immer noch schuldig.

Vor sechs Monaten die neuen B-Blocker.
Ganz vorsichtig. Nur eine halbe.
Vielleicht dann einen halben Marathon?
"Sie wollen doch Ihr Herz nicht überfordern".

Es könnte sich entzünden, den Tod entzücken!
Die Nieren grinsen, die Leber arbeitet.
Der Magen hält still, auch die Galle.
Und überhaupt: Der Unterleib!

Zuweilen glüht der Kopf.
beim Flachbildfernsehen,
durch Filme, Serien, Telenovelas,
auf Reisen, am Schalter, durch Kellner.

In Telenovelas kann man sich echt hineinleben.
Man atmet mit, man regt sich auf.
Das wahre Leben bietet einfach zu wenig.
Figurenwechsel, Abschiedsszenen, Beisetzungen
auch Hochzeiten und Taufen können in Erregung versetzen,
bringen totale Wendungen in alte Geschichten.
Neue oder ähnliche Probleme, neue Gesichter,
neue Lieben und andere Handlungsplätze.

Draussen: Das Leben geht weiter.
Drinnen: Im Dunkeln leuchten die Weltuntergänge riesig.

2008-09-25
2013-05-25